Testbericht: sonible smart:chain
Der Begriff 'Channelstrip' ist traditionell eng mit Hardware verbunden. Vorverstärker, Filter, Equalizer und Dynamikbearbeitung bilden eine vollständige Bearbeitungskette, deren Attraktivität häufig nicht allein in ihrer Ausstattung, sondern auch in einer charakteristischen klanglichen Signatur begründet liegt. In der Softwarewelt löst sich der Begriff zunehmend von diesem materiellen Vorbild. Ein Plug-In-Channelstrip muss weder eine konkrete Schaltung nachbilden noch mit einer festgelegten Klangfarbe verbunden sein. Seine Qualität kann zum Beispiel über das Zusammenwirken der Bearbeitungsstufen, über eine in der Analogtechnik nicht oder nur schwerlich umsetzbare Funktionalität oder die Organisation des Arbeitsablaufs definiert sein. Genau hier setzt sonible mit smart:chain an. Das Plug-In möchte dem Signal nicht in erster Linie einen unverwechselbaren Eigencharakter aufprägen, sondern aus einer gemeinsamen Analyse aufeinander abgestimmte Ausgangspunkte für die weitere Bearbeitung entwickeln. Equalizer, Kompressor, Gate, De-Esser beziehungsweise De-Harshing, Input Rider, Saturator und Clipper stehen dabei nicht lediglich als einzelne Prozessoren unter einer gemeinsamen Bedienoberfläche bereit, sondern greifen während des Lernvorgangs auf ein gewonnenes Verständnis aller Eingangssignale zurück und bilden daraus eine zusammenhängende, projektweit abgestimmte Bearbeitung und Mischbalance.
Mit smart:chain endet der Channelstrip nicht mehr an den Grenzen des einzelnen Kanals. Mehrere Instanzen können innerhalb einer Produktion miteinander kommunizieren, zu Gruppen zusammengefasst und zentral aus einem Plug-In-Fenster heraus bedient werden. Mit Auto Leveling und der Einordnung von Signalen in die Ebenen Front, Mid und Back bezieht smart:chain darüber hinaus auch Pegelverhältnisse und die wahrgenommene Tiefenstaffelung einer Mischung ein. Aus dem in sich geschlossenen Kanalzug wird damit ein vernetztes System. Der Anspruch reicht folglich über die beschleunigte Einstellung einzelner Bearbeitungsstufen hinaus. smart:chain soll wiederkehrende Vorarbeiten übernehmen, Zusammenhänge innerhalb einer Mischung berücksichtigen und dennoch sämtliche wesentlichen Entscheidungen für manuelle Eingriffe offenhalten. Wie tragfähig dieses Konzept in der Praxis ist und ob aus intelligent erzeugten Ausgangspunkten tatsächlich ein schnellerer und zugleich kontrollierbarer Mischprozess entsteht, wird im Verlauf dieses Tests zu untersuchen sein.