Testbericht: Lynx ST Mesa
Mit dem Hersteller Lynx Studio Technology und dessen deutschem Vertrieb, der Digital Broadcast Systems TV-Studio Vertriebs GmbH mit Sitz in Oberursel, verbindet mich inzwischen eine recht lange persönliche Studiogeschichte. Mein erster professioneller Mastering-Wandler war der Lynx Hilo, der von 2013 bis heute trotz des inzwischen nachgerückten Hilo 2 mein treuer und überaus geschätzter Begleiter geblieben ist und nach wie vor zur Spitzengruppe aller jemals von uns getesteten AD/DA-Wandler gehört – nicht nur aufgrund seiner ausgezeichneten Messwerte, sondern auch wegen seiner klanglichen Qualitäten, genauer gesagt, seiner Transparenz, Authentizität und 'Larger-Than-Life'-Inszenierung. Als Abhörwandler folgte in meinem Studio wenig später der Aurora 16, da ich mehrere Abhörpunkte innerhalb meiner Masteringkette definieren wollte. Dieser wurde nach einigen Jahren durch den Aurora(n) ersetzt, aus vornehmlich klanglichen Gründen. Insofern ist die Klangsignatur meines Studios in erster Linie durch Lynx-Wandlertechnologie charakterisiert, die, in meinem speziellen Fall, durch hochwertiges Mutec-Wordclock-Equipment 'veredelt' wurde. Was also heute bei der täglichen Arbeit an meine Ohren gelangt, hat sich über viele Jahre zum heutigen Status quo entwickelt. Deshalb bot sich für mich die seltene Gelegenheit, einen sehr vertrauten Klang mit dem einer Audio-Interfacelösung aus gleichem Hause vergleichen zu können – dem Mesa Desktop-Audio-Interface.
Mesa gehört zu jener inzwischen stark gewachsenen Geräteklasse, die immer mehr Studiotechnik aus dem 19-Zoll-Rack auf den Arbeitstisch verlagert. Dabei geht es längst nicht mehr nur darum, ein Audio-Interface möglichst kompakt unterzubringen. Vorverstärker, Wandler, Monitorsteuerung, Kopfhörerausgänge, digitales Routing und zunehmend auch Funktionen, die früher separater Hardware oder Software vorbehalten waren, werden in einem einzigen Gerät zusammengeführt. Beim Mesa kommt hinzu, dass Lynx wesentliche technische Grundlagen seiner Aurora(n)-Plattform in dieses deutlich kompaktere Format überträgt. Wandlertechnik und interner Taktgenerator stammen aus dem Aurora(n), die Mikrofonvorverstärker entsprechen denen des LM-PRE4-Moduls.
Überblick
Vier analoge Eingänge stehen über Combo-Buchsen zur Verfügung. Mikrofon- und Line-Signale werden über XLR geführt, Instrumentensignale über den Klinkenanschluss, wobei Mesa einen eingesteckten Klinkenstecker automatisch als Hi-Z-Quelle erkennt. Hinzu kommen ein analoges Monitor-Ausgangspaar, zwei Kopfhörerausgänge, koaxiales S/PDIF, optisches S/PDIF oder ADAT, Wordclock und Thunderbolt 3. Die Verbindung zum Computer erfolgt ausschließlich über Thunderbolt 3; eine alternative USB-Audio-Schnittstelle besitzt der Mesa nicht. Der Hersteller beruft sich dabei auf eine entsprechend geringe Nachfrage im Markt, die von Thunderbolt praktisch beherrscht sei. Das verdient insbesondere bei Windows-Rechnern Beachtung, denn eine USB-C-Buchse allein garantiert noch keine Thunderbolt-Unterstützung. Voraussetzung ist ein entsprechend ausgestatteter Computer mit Thunderbolt-3/4/5-Anschluss sowie ein geeignetes Thunderbolt-Kabel. Wer den Mesa an einem vorhandenen Windows-System betreiben möchte, sollte dessen Schnittstellenausstattung deshalb vor der Anschaffung überprüfen. Insgesamt stellt Mesa 14 Ein- und Ausgänge zur Verfügung und kann darüber hinaus auch ohne Computer als eigenständiger AD/DA-Wandler sowie als Mehrkanalrecorder auf microSD-Karte arbeiten. Aufzeichnungen sind mit bis zu 16 Kanälen und Abtastraten bis 192 kHz möglich. Ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts ist das ausgangsorientierte Routing. Anders als bei einer klassischen Mischpultstruktur wird zunächst der gewünschte Ausgang gewählt; anschließend bestimmt man, welche Eingangs-, Computer- oder SD-Wiedergabesignale diesem Ausgang zugeführt werden. Pegel, Panoramaposition und Mute-Zustand der Quellen beziehen sich dabei jeweils auf den aktuell gewählten Ausgang. Dadurch lassen sich beispielsweise Monitor- und Kopfhörermischungen unabhängig voneinander aufbauen, ohne den eigentlichen Aufnahmepegel zu verändern. Mit Firmware 1.8 hat Lynx das ursprüngliche Konzept noch einmal erheblich erweitert – ganz nach Art des Hauses. Für Monitor Out, Phones, S/PDIF Coax und S/PDIF Optical stehen jeweils eigene 16-Band-Equalizer zur Verfügung. Pro Band lassen sich Peak-, Low-Shelf-, High-Shelf-, Low-Pass- und High-Pass-Charakteristiken wählen. Technisch handelt es sich um Biquad-IIR-Filter, deren Berechnung mit 64-Bit-Gleitkommagenauigkeit erfolgt. Zusätzlich kann die Mesa Remote-Software Korrekturprofile aus Sonarworks SoundID, Room EQ Wizard und AutoEQ.app importieren. Damit übernimmt Mesa neben seinen klassischen Interface- und Wandleraufgaben inzwischen auch Funktionen zur Lautsprecher- und Kopfhörerkorrektur.