Studio Short: Intrect Plug-Ins

KI-generierte Musik und aus einer fertigen Mischung herausgetrennte Einzelspuren eröffnen neue Möglichkeiten in der Musikproduktion. Wer mit solchem Material arbeitet, stößt allerdings häufig erst bei der Weiterverarbeitung auf dessen Schwachstellen: Stimmen schimmern metallisch und viele Signale sind von einer schwer beschreibbaren 'Reste-Wolke' eingehüllt. Genau hier setzt Intrect an. Das auf Audioforschung und Software spezialisierte Unternehmen aus Seoul, Südkorea, bietet dafür mehrere spezialisierte Plug-Ins. Dazu gehören aktuell 'de-artifact', 'de-leak-rt', 'Enzyme' und das kostenlose 'Intrect HPSS'.

Bevor wir einen der Prozessoren einsetzen, lohnt es sich, genauer hinzuhören: Bleiben nach einer Stem-Separation Reste eines 'fremden' Instruments in der Gesangsspur zurück, haben wir es mit Übersprechen zu tun. Eine verwaschene, künstlich körnige Textur gehört dagegen zu den Rekonstruktionsartefakten. Sticht eine einzelne Frequenz unangenehm hervor, ist eine Resonanzbearbeitung gefragt. Auch wenn sich mehrere dieser Fehler überlagern, hilft diese Unterscheidung bei der Wahl des passenden Werkzeugs. de-artifact kümmert sich um metallischen Glanz, verschmierte Ausklänge und Codec-Rückstände in vollständigen KI-Mixen, separierten Stems und verlustbehaftet komprimiertem Audiomaterial. Es läuft lokal in der DAW und verbindet klassische Spektralanalyse mit einem trainierten neuronalen Modell. Technisch beginnt die Bearbeitung mit einer harmonisch-perkussiven Zerlegung, kurz HPSS. Sie unterscheidet eher tonale, anhaltende Anteile von impulsartigen Strukturen. Anschließend schätzt ArtifactUNet für beide Signalanteile getrennt eine spektrale Maske, die die adaptive Absenkung im Frequenzbereich steuert. Für die Arbeit am Signal heißt das: Eine flächige Synthesizertextur und der Anschlag einer Snare müssen nicht mit derselben Intensität bearbeitet werden. Die Zerlegung folgt dabei klanglichen Eigenschaften und liefert keine getrennten Instrumentenspuren. Einen Ausgangspunkt bieten 14 Werkspresets. Von dort aus können wir mit Strength sowie Attack und Release die Intensität und zeitliche Reaktion an das Material anpassen. Beim Einstellen hilft die Abhörfunktion Residual: Sie lässt uns hören, was dem Eingangssignal entzogen wird. Tauchen dort deutlich Gesangskörper, Anschläge oder andere erwünschte Details auf, ist es geboten, die Reduktion zurückzunehmen. Die gelbe Kurve zeigt die frequenzabhängige Absenkung, die blaue Darstellung bei aktiviertem Residual-Monitor das Spektrum des entfernten Materials. Mit den vier Bändern des Emphasis-EQs lässt sich die Analyse gewichten und der Eingriff auf bestimmte Frequenzbereiche lenken. Die Helligkeit des Ergebnisses bestimmen wir dagegen mit dem Parameter 'Brightness'. Positive Werte aktivieren zusätzlich eine neuronale Bandbreitenerweiterung, die obere Frequenzanteile ergänzt. Das kommt einer klanglichen Rekonstruktion gleich; unwiderruflich verlorene Originalinformationen lassen sich damit aber nicht verlässlich zurückholen.

Sind in einer separierten Gesangsspur noch Reste von Schlagzeug oder Begleitinstrumenten zu hören, ist das ein Fall für de-leak-rt. Ein kleiner ML-Klassifikator bewertet das Material abschnittsweise; eine Mehrband-Pegelsteuerung senkt als Übersprechen erkannte Passagen ab. Anders als ein gewöhnliches Gate orientiert sich der Prozessor dabei an der gelernten Unterscheidung zwischen Nutzinhalt und Fremdanteil. Tiefe, mittlere und hohe Frequenzen lassen sich getrennt abhören. Zusammen mit Dry-, Wet- und Differenz-Monitoring hilft das, den Eingriff zu beurteilen: Wo verschwindet die Störung, wo wird bereits musikalische Substanz erfasst? Fallen Übersprechen und gewünschte Stimme zeitlich zusammen, kann die Pegelreduktion auch die Stimme treffen. Beim Aufbereiten eines Stems für einen Remix empfiehlt es sich deshalb, zunächst vorsichtig vorzugehen. Bleiben anschließend 'wässrige' Texturen oder 'Plätschern' hörbar, kann zusätzlich de-artifact gefragt sein.

Bei einzelnen resonierenden Gitarrentönen, Raumresonanzen, einem nachklingenden Snare-Ton oder scharfen Zischlauten kommt Enzyme ins Spiel. Der Prozessor erkennt schmale spektrale Spitzen, die gegenüber ihrer unmittelbaren Umgebung hervortreten. Er bestimmt die Absenkung laufend neu und greift ein, solange die jeweilige Überhöhung vorliegt. So lässt sich eine störende Resonanz gezielter behandeln als mit einer dauerhaft gesetzten Kerbe im Equalizer. Mit Depth stellt man die Eingriffsstärke ein, mit Selectivity die Erkennung schmaler beziehungsweise breiterer Überhöhungen. Attack, Release und Smoothing formen den Verlauf. Bei Bedarf lässt sich das Signal zusätzlich in harmonische, perkussive und verbleibende Anteile zerlegen, die separat abgesenkt werden können. Auch hier hilft das Differenzsignal dabei, den Eingriff nach Gehör zu dosieren. Am Mixbus ist eine geringe Eingriffstiefe ein sinnvoller Ausgangspunkt.

Wer die Komponentenzerlegung selbst zur Klanggestaltung nutzen möchte, findet im kostenlosen Intrect HPSS das passende Werkzeug. Harmonische und perkussive Anteile lassen sich unterschiedlich gewichten; im Advanced-Modus kommt ein Residualanteil für nicht eindeutig zugeordnete Energie hinzu. Damit können wir einen Loop umformen oder seine Bestandteile gezielt abhören. Mit der Extraktion einzelner Instrumentenspuren für Gesang, Bass und Schlagzeug ist diese Zerlegung allerdings nicht gleichzusetzen. Das Plug-In gibt es derzeit ausschließlich für macOS; für den Download ist ein Intrect-Konto erforderlich.

Die drei kostenpflichtigen Werkzeuge stehen für macOS und Windows als VST3 und CLAP bereit. de-artifact und Enzyme bieten zusätzlich Audio Units für den Mac; de-artifact unterstützt AAX auf Apple-Silicon-Macs für Stereo-Inserts. Bei der Einbindung in die eigene Session lohnt ein Blick auf die Latenz: Intrect nennt bei 44,1 kHz rund 300 ms für de-artifact, 93 ms für de-leak-rt und 46 ms für Enzyme. Die Vollversionen kann man 14 Tage ausprobieren und dabei am eigenen Material herausfinden, wie weit die Bearbeitung tragen darf. Am Ende zählt, wie viel Störung verschwindet und welche musikalischen Details der Eingriff kostet.