Testbericht: FreqTube F01
Mittlerweile seit Jahrzehnten stehen sich in der professionellen Audioproduktion zwei Welten gegenüber. Auf der einen Seite bietet die digitale Signalverarbeitung eine nahezu unbegrenzte Auswahl an Funktionen und Bearbeitungswerkzeugen, vollständige Automatisierung und projektbezogenen Recall. Auf der anderen Seite behalten analoge Schaltungen trotz immer leistungsfähigerer Software weiterhin einen festen Platz in professionellen Studios. Mikrofonvorverstärker, Equalizer, Kompressoren oder Bandmaschinen werden wegen ihrer individuellen klanglichen Eigenschaften eingesetzt. Die Verbindung beider Welten ist jedoch bis heute mit Kompromissen verbunden. Analoge Hardware muss in die digitale Signalstruktur eingebunden, dokumentiert und verwaltet werden. Einstellungen werden fotografiert oder notiert, externe Signalwege eingerichtet und bei Bedarf rekonstruiert. Genau dieser Fragestellung widmet sich Freqport. Das 2019 gegründete Unternehmen mit Standorten in Melbourne und Kopenhagen verfolgt in der Hauptsache nicht das Ziel, klassische Outboard-Hardware lediglich komfortabler einzubinden, sondern entwickelt ein System, das analoge Signalverarbeitung und Softwaresteuerung zu einer gemeinsamen Arbeitsumgebung verbindet. Die analoge Signalbearbeitung verbleibt vollständig in der Hardware, während Bedienung, Automatisierung und Projektverwaltung innerhalb der DAW erfolgen.
Der FreqTube FT1 ist ein erster wichtiger Vertreter dieser Systemphilosophie. In seinem kompakten Desktop-Gehäuse arbeiten vier vollständig analoge Röhrenkanäle, die über integrierte Wandlertechnik und eine enge Plug-In-Anbindung geradezu unbemerkt Bestandteil des digitalen Produktionsablaufs werden. Welche technischen Konzepte diesem Ansatz zugrunde liegen und wie sie im praktischen Studioeinsatz umgesetzt werden, zeigt der folgende Beitrag.