Testbericht: Steinberg Nuendo 15

Wenn eine neue Version von Cubase veröffentlicht wird, weiß ich immer schon, welche Funktionen mich demnächst in Nuendo erwarten werden und beschäftige mich dann nur noch mit den wirklichen Neuerungen in Nuendo, denn Cubase ist für den Musikbereich gedacht, der große Bruder Nuendo dagegen erweitert das Portfolio um zahlreiche Postproduction-Werkzeuge. So kann ich mich also in zwei Teilen mit Nuendo beschäftigen. Beim Release bin ich neugierig und teste das Steinberg-Flaggschiff auf Apple und Windows. Ich habe einige Wünsche und Erwartungen und bin gleichzeitig gespannt, ob ich von neuen Features überrascht werde. In diesem Bericht gehe ich nicht auf alle neuen Features aus Cubase ein, sondern eher auf die Nuendo-relevanten Neuerungen.

Beim Starten von Nuendo präsentiert sich der Hub in neuem Look. Direkt beim Erzeugen eines neuen Projektes können nun das Audio-Interface beziehungsweise der Treiber und der Hauptausgang gewählt werden. Das kann sinnvoll sein, wenn man mehrmals die Geräte tauscht, weil man in unterschiedlichen Umgebungen mit seinem Laptop arbeitet. Zum schnellen Testen kann ein kurzes Test-Signal wiedergegeben werden. Hier hätte ich mich über einen Lautstärke-Regler gefreut, damit ich keine böse Überraschung bei hoher Abhörlautstärke erlebe. Der Hub kann weiterhin zuletzt genutzte Projekte anzeigen, diese besitzen jetzt einen Preview-Button. Das war definitiv ein User-Wunsch. Damit wird ein Abschnitt des Projektes abgespielt. Diese Vorschau wird entweder manuell im Projekt-Menü erzeugt oder jedes Mal automatisch beim Schließen des Projektes. Entweder wird das Preview-File vom Anfang des Songs oder ab der Cursor-Position erzeugt. Diese Funktion generell kann praktisch sein, wenn man an verschiedenen Versionen arbeitet oder seine Demos nicht konsequent benennt.

Alles in einem

Eines der Key-Features für mich sind Gruppen-Kanäle (nicht zu verwechseln mit Gruppen-Spuren). Bisher konnte man zum Beispiel alle seine Vocals in einen Ordner schieben. Wenn man die Vocals gleichzeitig in einer Gruppe bearbeiten wollte (etwa mit einem Kompressor), musste man diese aber extra erzeugen. Man nutzt also die Vocal-Spuren und die Gruppe in einem Ordner. Die Rufe wurden laut nach einer einfachen und schnelleren Lösung.

Ein Ordner kann per Rechtsklick in einen Gruppen-Kanal umgewandelt werden oder mehrere Tracks werden im Kontext-Menü per Rechtsklick zu einem neuen Ordner mit Gruppen-Kanal geschoben. Etwas verwirrend finde ich manchmal die Bezeichnung im Handbuch. Da es manchmal Folder Group Channel heißt und manchmal Group Channel, was ja wieder etwas anderes ist als ein Group-Track. Da wäre ein eindeutiger Begriff wie Summing-Track, der sich deutlich von den anderen Namen abhebt, doch schön gewesen, oder?