Testbericht: RND OptoFET
Rupert Neve Designs gehört ohne Frage zu den branchenweit geachteten und geschätzten Herstellern professioneller Audiotechnik, deren Produkte bis heute untrennbar mit der Persönlichkeit ihres Gründers verbunden sind. Rupert Neve prägte über Jahrzehnte hinweg die Entwicklung moderner Studiotechnik und schuf Schaltungen, deren klangliche Handschrift bis heute als Referenz gilt. Dabei stand stets im Mittelpunkt, wie sich musikalische Inhalte 'kunstvoll' übertragen, formen und emotional erlebbar machen lassen. Diese Denkweise prägt Rupert Neve Designs bis heute. Der OptoFET entstand vermutlich zu einem Zeitpunkt, als das Unternehmen neue Produkte bereits ohne seinen Namensgeber entwickeln musste, doch wirkt das Gerät keineswegs wie ein Bruch mit der Vergangenheit. Im Gegenteil: Betrachtet man die grundlegende Philosophie hinter der Entwicklung, erscheint der OptoFET als konsequente Fortsetzung jener Ideen, die Rupert Neve über viele Jahrzehnte hinweg verfolgt hat.
Eigentlich gehören weder FET- noch Optokompressoren zu den klassischen Disziplinen, mit denen man den Namen 'Neve' unmittelbar verbindet. Historisch stehen vielmehr Übertrager, diskrete Verstärkerstufen, Mischpulte, Vorverstärker und Equalizer im Mittelpunkt des Neve-Erbes, das stets von einer besonderen, exquisiten Klangsignatur geprägt war. Auch die späteren Dynamikprozessoren des Hauses orientierten sich eher an Diodenbrückenschaltungen als an den schnellen Feldeffekttransistoren klassischer Kompressor-Designs oder den trägeren Regelcharakteristiken optischer Systeme. Gerade deshalb lohnt ein genauerer Blick auf die Idee hinter dem Gerät. Denn Rupert Neve Designs beschränkt sich traditionell nicht darauf, bekannte Schaltungen zu reproduzieren oder historische Vorbilder zu konservieren. Stattdessen werden etablierte technische Prinzipien aufgegriffen, neu interpretiert und zu eigenständigen Werkzeugen weiterentwickelt. Genau diesem Ansatz folgt auch der OptoFET. Zwei grundlegend unterschiedliche Kompressorkonzepte werden miteinander kombiniert und um Funktionen erweitert, die deutlich über die klassische Dynamikbearbeitung hinausgehen. Im Zentrum stehen dabei eine FET- und eine Optokompressorstufe, die einzeln, seriell oder frequenzabhängig miteinander kombiniert werden können. Ergänzt wird dieses Konzept durch Funktionen zur gezielten Klanggestaltung, die allerdings unmittelbar in die Dynamikregelung eingreifen. So versteht sich der OptoFET nicht allein als Werkzeug zur Pegelkontrolle. Vielmehr verfolgt er den Anspruch, Dynamik, Obertonstruktur, Transientenverhalten und subjektive Klangwahrnehmung gleichermaßen zu beeinflussen. Die Entwickler sprechen in diesem Zusammenhang von einer Form des 'Wave Shaping'.