Testbericht: PSPaudioware Tilt-Q Plug-In

Ich habe aufgrund meines fortgeschrittenen Alters noch die Zeit im Studio erlebt, in der die technischen Mittel aus heutiger Sicht extrem begrenzt waren. Aber oft lag eben genau in dieser Beschränkung die Qualität der Bearbeitung. Das erste Pult, an dem ich die Ehre zu sitzen hatte, stammte von D&R – ein 24/8/2-Mischer mit einem extrem einfach aufgebauten Channel-EQ: High Shelf, Low Shelf und ein Mittenfilter bei 2.5 kHz, dass nur anheben, nicht absenken konnte. Mit diesem einfachen Kurven-Angebot galt es zurechtzukommen, was den Einsatz und die Position der Mikrofone besonders elementar machte, denn eigentlich wurde der Klang an dieser Stelle eingestellt. Was danach kam, konnte man in die Kategorie 'geschmackliche Anpassung' einordnen – etwas mehr Glanz und Durchsatz oder etwas mehr oder weniger Fundament. Am Signal beliebig herumbiegen, das konnten wir nicht, aber das stand bei einer Aufnahme auch gar nicht im Vordergrund. Wenn ich mir das heutige Angebot im Bereich der Signalbearbeitung anschaue, wird mir erst klar, wie weit wir gekommen sind, nur – wenn ich ehrlich bin – so viel besser klingen heutige Produktionen deswegen nicht. Vielleicht ist das ja der Grund, dass meine Aufmerksamkeit geweckt wird, wenn ein Plug-In-Hersteller ein elementar aufgebautes, aber dennoch sehr wirksames Klangbearbeitungswerkzeug vorstellt, dass die Einfachheit früherer EQ-Konzepte lediglich ein bisschen weiter denkt, im Grunde aber an der Schlichtheit der ursprünglichen Idee festhält. Was dabei herauskommt? Ein Neigungsfilter, mit dem man gestalten, aber nicht manipulieren kann.

Die Geschichte von PSPaudioware beginnt im Jahr 2000, als die beiden polnischen Entwickler Antoni Ożyński und Mateusz Woźniak beschlossen, gemeinsam Audio-Software zu entwickeln. Ohne größere Verbindungen in die internationale Recording-Industrie entstand zunächst ein kleines Entwicklerteam, das seine Plug-Ins durch Zufallserfolge im Internet bekanntmachte. Der Ansatz erwies sich als erfolgreich: Mit der Zeit etablierten sich zahlreiche Werkzeuge der Firma in Studios und Produktionsumgebungen, getragen von einer einfachen Leitidee, die das Unternehmen bis heute begleitet: 'Nur der Klang zählt!' Ein Blick auf das Portfolio des Herstellers zeigt eine über Jahre gewachsene Sammlung von Plug-Ins für zentrale Bereiche der Signalbearbeitung. Die Gliederung orientiert sich dabei weniger an Marketingkategorien als vielmehr an funktionalen Werkzeugklassen wie Dynamikprozessoren, Equalizern, zeitbasierten Effekten sowie kombinierten Signalprozessoren. Innerhalb der Dynamikbearbeitung finden sich unterschiedliche Ansätze von klassischen Kompressoren und Limitern bis hin zu komplexeren mehrstufigen Prozessoren, die jeweils eigene technische und klangliche Ausrichtungen verfolgen. Ähnlich breit aufgestellt präsentiert sich der Bereich der Equalizer, der sowohl klassische als auch spezialisierte Konzepte umfasst. Hinzu kommen Hall- und Delay-Prozessoren mit unterschiedlichen algorithmischen Ansätzen sowie Plug-Ins zur Sättigung, Klangformung und nichtlinearen Bearbeitung.

Ergänzt wird das Angebot durch kombinierte Effektstrukturen, die mehrere Bearbeitungsschritte innerhalb eines Plug-Ins zusammenführen und sich konzeptionell zwischen klassischen Kanalzügen und modularen Multieffekten bewegen. Charakteristisch für das gesamte Portfolio ist dabei die Konzentration auf spezialisierte Werkzeuge mit klar definierten Aufgabenbereichen statt universeller All-in-One-Lösungen. Daraus ergibt sich ein flexibel kombinierbares System klar profilierter Bausteine für unterschiedliche Anwendungen innerhalb der Signalbearbeitung. Zu diesen Werkzeugen gehört auch der Equalizer ‘PSP Tilt-Q’. Das Plug-In basiert auf dem Prinzip der sogenannten Klangwaage – im Englischen meist als Tilt-Filter bezeichnet – und verbindet dieses Konzept mit weiteren Werkzeugen der Klangformung. Neben der spektralen Balance-Regelung stehen eine Contour-Funktion sowie Hoch- und Tiefpassfilter zur Verfügung. Ein typisches Werkzeug für breite Pinselstriche.