Hintergrund: Hörspiel Teil 2
In einer Zeit, in der Hörspiele, Hörbücher und Podcasts in großer Zahl verfügbar sind, scheint die ursprüngliche Faszination des Hörspiels zunehmend verloren zu gehen. Einst als eigenständige Kunstform für den Rundfunk entwickelt, zogen Hörspiele ihr Publikum über viele Jahrzehnte hinweg in den Bann. Heute hingegen mangelt es häufig an grundlegenden Qualitätsmerkmalen, und die Audioqualität bewegt sich nicht selten an der Grenze des Zumutbaren. Dieser zweiteilige Artikel zeigt, dass es auch anders geht: Anhand der Hörspielproduktion 'Sherlock Holmes und der Klang des Grauens' wird deutlich, wie durch eine gehörgerechte Mikrofontechnik, eine hochwertige Audioqualität und eine natürliche Raumakustik ein intensives, authentisches Hörerlebnis entstehen kann – ein Erlebnis, das sowohl das Publikum neu begeistert als auch Professionals dazu einlädt, Klang und Raum wieder bewusst und kreativ zu erfahren.
Der erste Teil dieses Beitrags widmete sich der Kunstkopfstereofonie: ihrer Historie von Ende des 18. Jahrhunderts bis in die Gegenwart, den technischen Grundlagen wie Außenohrübertragungsfunktion (HRTF) und Entzerrung sowie künstlerisch-kreativen Aspekten und deren Auswirkungen auf die Mitwirkenden einer Kunstkopfproduktion. Im zweiten Teil geht es nun um eine für die menschliche Wahrnehmung geeignete Audioqualität mit dem Schwerpunkt Audioformat sowie die Gestaltung natürlich klingender Aufnahmeräume unter Einsatz von Hilfsmitteln wie Diffusoren.
'Ist doch nur Sprache'
Hörspiele, Hörbücher und Podcasts sind akustische Kunstformen mit unterschiedlichen Charakteren, haben jedoch eine Gemeinsamkeit: Sie sind fast ausschließlich in verlustbehafteten Audioformaten wie mp3 oder dem neueren Standard AAC (Advanced Audio Coding) verfügbar – und das bei zunehmend sinkenden Bitraten. Musikaufnahmen hingegen werden am Markt in einer großen Bandbreite angeboten, von datenreduziert bis hochauflösend. Geht man den Gründen für diese Diskrepanz nach, stößt man häufig auf das Argument, dass diese Formate 'hauptsächlich Sprache' enthalten, die 'weniger komplex als Musik' sei. Daher seien datenreduzierte Audioformate für die Wiedergabe 'völlig ausreichend', höhere Auflösungen nicht notwendig. Ist die Zielsetzung lediglich, dass das gesprochene Wort verstanden wird, also eine reine Übertragung von Sprachinformation an das Publikum, ließe sich dieser Argumentation durchaus folgen.
Überträgt man diesen Gedanken auf die tägliche Ernährung, macht auch die Tiefkühlpizza sicherlich satt. Aber reicht das bloße Stillen des Hungergefühls aus? Benötigt man nicht hin und wieder eine Genuss-Pizza vom Italiener – mit luftig-elastischem Rand, goldbraunen Blasen und dünner, leicht knuspriger Basis, würziger Sauce, hochwertigen Tomaten, üppigem Belag, frischem Mozzarella und duftenden Kräutern?