Studio Short: Acon Digital Extract Dialogue 2
'Das sind ja gleich drei Wünsche auf einmal', entglitt es der genervten Mutter im Kult-Werbespot zum Kinder-Überraschungsei aus vergangenen Tagen. Eine dreifache Überraschung in Sachen Noise-Reduction liefert auch die norwegische Software-Schmiede Acon Digital mit ihrer neuen Plug-In-Software Extract:Dialogue 2. Das Hauptproblem bei Interview-Situationen außerhalb eines Studios ist die Umwelt mit ihren rücksichtslosen Hintergrundgeräuschen. Wer kennt es nicht: Da hat man seinen Gesprächspartner vor dem Mikrofon, befindet sich aber in einer großen Halle, in der zusätzlich noch eine Klimaanlage surrt. Während des Interviews fällt einem das kaum auf – unsere Ohren hören selektiv, doch das Mikrofon ist unerbittlich.
Das Problem
In der Nachbearbeitung scheint sich das Surren der Klimaanlage aus purer Boshaftigkeit heimlich noch um sechs dB verstärkt zu haben und dem Ganzen einen Julio-Iglesias-Hall aus den Achtzigern hinzuzufügen, der die Akustik des ursprünglichen Raums gefühlt in den Kölner Dom verwandelt. Bisher musste man dem Problem mit einem Deverberate-Tool und einem Denoiser an den Kragen gehen. Anschließend versuchte man, das übrig gebliebene Stimmchen mit Kompressor und EQ zu retten. Das Dilemma bestand darin, dass man mühsam ausprobieren musste, in welcher Reihenfolge diese Werkzeuge sinnvoll einzusetzen waren. Hinzu kam, dass je nach Hall die diversen Deverberate-Tools schnell ins Pumpen gerieten und meist nur wenig Hall aus Aufnahmen entfernen konnten, wenn zusätzlich Nebengeräusche wie Lüfter oder Klimaanlagen das Hauptsignal störten.
Die Lösung?
Dieses Problems hat sich Acon Digital angenommen und ein Deverberate-Tool, einen Denoiser sowie eine Art Voice-Enhancer in einem Deep-Learning-Plug-In vereint. Das Plug-In bietet drei Bänder für Voice, Reverb und Noise. Zusätzlich steht für jedes Band ein unabhängiger Drei-Band-EQ zur Verfügung. Jeder Teil des Prozesses lässt sich mit chirurgischer Präzision fein abstimmen. Dabei helfen unabhängige Lautstärkeregler für die Voice-, Reverb- und Noise-Kanäle einschließlich Mute- und Solo-Tasten. Der Hersteller hebt hervor, dass jede Empfindlichkeitsregelung über frequenzabhängige Kurven verfügt, um die Verarbeitung dort zu fokussieren, wo sie am dringendsten benötigt wird – vom Mittenbereichs-Chatter bis zu High-End-Reflexionen. Für jedes Element gibt es spezielle EQ-Abschnitte, die eine Klanggestaltung innerhalb jeder Komponente ermöglichen. Man kann die Hallhelligkeit mildern, ohne sie komplett zu dämpfen, oder tieffrequentes Grollen entfernen, während die natürliche Atmosphäre erhalten bleibt – so die Versprechungen der Norweger. Und sie haben nicht zu viel versprochen.